Fachpersonen 2017-06-30T16:36:56+00:00
Seit ein paar Tagen kommt Melanie zu spät in den Kindergarten. Es ist ihr anzusehen, dass sie geweint hat. Sie wird, wie früher schon einmal, wieder von ihrer Mutter begeleitet. Während des Kindergartens weint Melanie immer wieder, sie äussert Ängste im Bezug auf die Mutter.

Melanies Kindergärtnerin fragt bei der Mutter nach, ob ihr etwas aufgefallen sei. Gemeinsam überlegen sie, welchen Auslöser es wohl gegeben hat. Die Mutter erwähnt, dass sie seit kurzem von ihrem Mann getrennt lebe und es schwierig sei mit den Besuchszeiten. Die Kindergärtnerin ahnt, dass da etwas nicht stimmt.

Was tun bei einem Verdacht?

Eine mögliche Ursache für Auffällikeiten kann das Miterleben von häuslicher Gewalt sein. In einem Klima von Angst, Machtausübung und Unsicherheit aufwachsen zu müssen, prägt die Persönlichkeit von Kindern entscheidend mit. Auch wenn die Eltern bereits getrennt leben, kann das für Kinder grossen Stress bedeuten.

Kinder und Jugendliche haben das Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit. Sie möchten sich Bezugspersonen anvertrauen können.

In einer Befragung, die in der Schweiz durchgeführt wurde, äusserten sich Kinder und Jugendliche dazu. Sie machten sich Überlegungen bezüglich ihres Bedürfnisses nach Hilfe und Unterstützung und wie dieses mit dem Familiengeheimnis vertretbar sei.

Kinder stehen häufig in einem Loyalitätskonflikt und sie fürchten die Konsequenzen. Sie vertrauen sich Lehrpersonen kaum an, da in den Augen von Kindern Lehrpersonen für die Vermittlung von Wissen zuständig sind und nicht eine enge Bezugsperson darstellen.

Sechs von zehn Schülerinnen und Schülern würden es begrüssen, wenn häusliche Gewalt in der Schule thematisiert würde und sie von ihren Lehrpersonen unterstützt würden. Sie fürchten aber auch die Konsequenzen, da sie sich nicht sicher sind, was die Lehrperson mit den Informationen machen würde. Sie möchten nicht, dass über Ihre Köpfe hinweg entschieden wird (Seith 2005).

Früherkennung und Intervention

Idealerweise hat eine Institution einen Früherkennungs- und Interventionsleitfaden, in dem folgende Punkte im Team durchgearbeitet wurden. Wann und wie Eltern einbezogen werden, hängt sehr von der Situation ab. Wichtig ist, betroffene Kinder und Jugendliche in Klärungsprozesse mit einzubeziehen.

  • Tragende, vertrauensvolle Beziehungen zu den Kindern und Jugendlichen aufbauen und pflegen
  • Ein Klima schaffen, in dem es normal ist, über Schwieriges, noch Unklares zu reden
  • Beobachtungen schriftlich für sich festhalten
  • Sich mit der Schulsozialarbeit besprechen
  • Kollegiale Beratung einholen
  • Einbezug der Leitung der Institution, zum Beispiel Schulleitung, Heimleitung
  • Koordiniert vorgehen
  • Fachstelle beiziehen

Prävention

  • Werden Sie sich als Institution darüber klar, wie Sie vorgehen, wenn es einem Kind, Jugendlichen oder Mitarbeitenden schlecht geht. Entwickeln Sie gemeinsam einen Früherkennung- und Interventionsleitfaden, an dem sich alle orientieren können, auch Eltern.
  • In der Broschüre Mittendrin – Kinder im Schatten häuslicher Gewalt, finden Sie vertiefte Informationen.
  • Mit dem Themenkoffer Häusliche Gewalt haben Sie alles, was Sie für einen guten Präventionsunterricht zum Thema brauchen.
  • Ideal ist, wenn ein Team gemeinsam eine Fortbildung zur Prävention von häuslicher Gewalt bei uns bucht. Das bewirkt, dass alle auf dem gleichen Stand sind und häusliche Gewalt zu einem offenen Thema im Alltag wird.

Gerne besprechen wir mit Ihnen, was für ein Vorgehen für Ihre Schule oder soziale Einrichtung sinnvoll ist.