Ich schaue in die Runde: Die Jugendlichen diskutieren fleissig miteinander, lachen, intervenieren und einigen sich für Begriffe, die sie auf die Moderationskarten notieren. Es geht darum zu überlegen, was eine gute Beziehung ausmacht, was nicht ok ist und wo diese Unterteilung nicht immer so eindeutig ist.

Für eine Gruppe ist klar: Wenn eine Person nicht zumindest ein kleines bisschen eifersüchtig ist, liebt sie die andere Person nicht wirklich. Bei einer anderen Gruppe entsteht eine grosse Diskussion, ob es jetzt erlaubt ist, im Handy des Partners/der Partnerin nachzusehen, mit wem er/sie schreibt oder sich trifft.

Die Schulklasse hat sich für den Workshop «Wenn der Knutschfleck keiner ist…» angemeldet, bei dem es um Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen geht. Im Vorfeld haben sie die Ausstellung «Willkommen zu Hause» besucht.
Dass diese Ausstellung wirklich sehr berührt, merke ich ebenfalls bei der zweiten Schulklasse, wo das Thema Zwangsehe auch während des Workshops weiterhin diskutiert wird.

Ich staune über die Ehrlichkeit der Jugendlichen, bin berührt von ihren Geschichten und merke, wie wichtig es ist in diesem Alter darüber nachzudenken, wo die individuellen Grenzen liegen.
Bisher habe ich den Workshop «Wenn der Knutschfleck keiner ist…» dreimal geleitet und jedes Mal das Gefühl gehabt, dass dieser Workshop jetzt wieder völlig anders ist als der Vorhergegangene. Und auch die Mitarbeiterinnen von ask!, mit welchen wir den Workshop entwickelt haben, sehen das genauso: Kein Workshop ist wie der andere – jede Klasse prägt und bereichert ihn auf ihre eigene Weise.

Nicole Häuptli, gespannt auf die weiteren Workshops mit den Klassen